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Was ist empathische Jugendarbeit?

Die empathische Jugendarbeit bezeichnet eine Pädagogik des Mitgefühls und der Gewaltfreiheit zur Förderung von Selbstbestimmung, Eigen- und gesellschaftlicher Mitverantwortung.

Sie basiert auf den aktuellen neurobiologischen Erkenntnissen, dass jeder Mensch von Natur aus kooperieren möchte und sich nach wertschätzenden Beziehungen sehnt (BAUER), sofern er dies aus freiem Willen tun kann.

Welchen Beitrag kann die empathische Jugendarbeit in der (Offenen) Kinder- und Jugendarbeit leisten?

Der gesetzliche Auftrag der Jugendarbeit nach §11 SGBVIII lautet:
Junge Menschen "zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.“

Die empathische Jugendarbeit kann einen entscheidenden Beitrag zur Erfüllung dieses Bildungsauftrags bieten. Durch ihre klaren Handlungsoptionen in der Kommunikation zwischen Menschen bietet sie Grundkompetenzen im wertschätzenden Umgang mit sich und anderen.

Im Folgenden möchte ich ein paar Grundsatzfragen beschreiben und den Beitrag der empathischen Jugendarbeit zur Beantwortung dieser Fragen darlegen.

Grundsatzfragen der Jugendarbeit

Selbstbestimmung und Eigenverantwortung

Selbstbestimmung und Eigenverantwortung kann nur in Freiheit entwickelt werden. Für die Jugendarbeit bedeutet dies ein Paradoxon (STURZENHECKER). Einerseits soll sie junge Menschen in Ihrer Entwicklung fördern, andererseits bedingen die zu fördernden Kompetenzen und Fähigkeiten einen autonomen Entwicklungsraum.

Somit ist eine der wichtigsten Fragen in der Pädagogik der Jugendarbeit:

Wie kann die Jugendarbeit junge Menschen zu selbstbestimmten, eigen- und mitverantwortlichen Individuen verhelfen ohne während des Prozesses in ihre Autonomie einzugreifen?

Beitrag der empathischen Jugendarbeit:
Hier kann der/die Soziale auf mehreren Ebenen wirken:

  • Durch das Vorleben von Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung
  • Der/die Soziale kann sich durch die Bewusste & Gewaltfreie Kommunikation so ausdrücken, dass er sich so zeigt wie er ist und was er möchte und gleichzeitig die Autonomie des Gegenübers wahren.
  • Durch die Methode des empathischen Zuhörens und des „Empathie gebens“ können Entscheidungsfindungs- und Problembewältigungsprozesse (innere und äußere Konflikte) durch den Sozialen so begleitet werden, dass die Autonomie im Prozess gewahrt bleibt und gleichzeitig die Kompetenzen für eine selbstbestimmte und eigenverantwortliche Lebensführung gestärkt werden.
  • Gezielte Reflexionsübungen von erlebten Situationen, gerade im Bereich der Freizeit- und Ferienmaßnahmen, können Impulse zur Bewusstwerdung ihres eigenen Denkens und Handelns sein.
Subjektorientierte Jugendarbeit

Jugendarbeit soll an den Interessen und Bedürfnissen junger Menschen ausgerichtet sein.
Somit ist die nächste Grundsatzfrage der Jugendarbeit:

Wie erkenne ich die Interessen und Bedürfnisse junger Menschen?

Beitrag der empathischen Jugendarbeit:

  • Durch die Fähigkeit der Empathie kann sich der Soziale in die „Welt des Anderen“ begeben. Durch empathisches Zuhören können die durch Empathie entstehenden Vermutungen über die Interessen und Bedürfnisse des Gegenübers in einem Gespräch überprüft werden.
  • Das empathische Zuhören ergänzt somit die vielfältigen Methoden der Jugendarbeit die Interessen und Bedürfnisse junger Menschen zu erkennen.
Gesellschaftsfähigkeit

Die Jugendhilfe, zu der auch die Jugendarbeit zählt, soll junge Menschen in ihrer Entwicklung zu gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten und gesellschaftliche Mitverantwortung fördern. (SGBVIII §1 &§11)

Die Basis der Jugendarbeit besteht hier in der Vermittlung von demokratischen Methoden und Werten. Doch wie schon bei der Förderung von Selbstbestimmung besteht hier ein Paradoxon. Eine demokratische Haltung kann nicht vorgeschrieben werden, da sie sonst autoritäre Verhaltensmuster fördern würde.

So lautet die dritte elementare Frage der Jugendarbeit:

Wie können demokratische Werte und Moral ausgebildet werden, ohne zu indoktrinieren?

Beitrag der emphatischen Jugendarbeit:

  • Die Haltung der empathischen Jugendarbeit basiert auf einem humanistischen und demokratischem Weltbild. Die Anwendung und das Vorleben dieser Haltung ermutigt andere sich ebenfalls so zu Verhalten ohne sie dabei in ihrer Autonomie zu verletzen. Grundannahme ist, dass alle Menschen gewaltfrei und in Verbindung mit anderen Menschen leben wollen.
  • Die Anwendung der Bewussten und Gewaltfreien Kommunikation ist eine Einladung an die jungen Menschen sich selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu verhalten. Durch konsequente und konfrontierende ICH-Botschaften kann auch die gesellschaftliche Mitverantwortung auf Basis der Empathie gefördert werden.

In beiden Fällen ist es ein Angebot, eine Einladung. Der junge Mensch kann sich frei entscheiden ob er die Einladungen annimmt oder nicht.

Die Erfahrungen zeigen, dass die Beeinflussung anderer auf Basis des Mitgefühls und Freiheit eine hohe Bereitschaft auslöst das Verhalten so zu ändern, dass es auch andere bereichert, sofern die anderen das Gefühl haben, dass auch ihre Bedürfnisse gesehen und/oder erfüllt werden.

Der Mensch möchte kooperieren und er sehnt sich nach erfüllenden Beziehungen. Wenn er sein Verhalten aus freiem Willen ändern kann um dies zu erreichen, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er dies tut.

Bildungsziel Jugendarbeit

Wenn man den Bildungsauftrag der Jugendarbeit auf das wesentlichste Reduziert so kann sich die Jugendarbeit auch folgende Frage stellen:

Wie kann die Jugendarbeit jungen Menschen begleiten, damit sie selbstbestimmt und eigenverantwortlich ihre Bedürfnisse erfüllen können und gleichzeitig die der anderen Mitmenschen achten?

Beitrag der emphatischen Jugendarbeit:

Der Schlüssel zu gelingenden Beziehungen zu sich und anderen heißt Empathie. Die Bewusste und Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg bietet eine Fülle an Handlungsmöglichkeiten sich selbst und anderen gegenüber einfühlend zu begegnen. Kommunikation mit sich selbst und mit anderen ist der Schlüssel für ein Leben, geprägt von Selbstbestimmung, Eigen- und Mitverantwortung.


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