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“Wertschätzung ungleich Lob!”

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Im Folgenden Kooperationstipp möchten wir beschreiben, wie Du Dankbarkeit und damit Wertschätzung geben kannst, ohne Deine Mitmenschen dabei zu bewerten. Wenn Deine Wertschätzung aufrichtig aus Dankbarkeit erfolgt und nicht aus dem Versuch, zu manipulieren, wirst Du die größtmögliche Wirkung erzielen können. Um dies sicherzustellen, ist es wichtig, den Unterschied zwischen Wertschätzung und Lob zu kennen. Der Unterschied ist enorm, denn er hat für die eigene Kooperationskompetenz eine entscheidende Bedeutung.

Ein Lob ist immer eine Bewertung des Gegenübers. Es soll Wertschätzung ausdrücken, tut dies jedoch in einer Zuschreibung des Gegenübers: „Du bist toll!“, „Herr Meier, das war klasse von Ihnen.“, „Du bist ein super Kollege!“. Durch diese Ausdrücke von Lob bringen wir unbewusst ein Ungleichgewicht in die Beziehung. Wir stellen uns in eine Position, von der aus wir die andere Person bewerten können. Dadurch richten wir über den anderen Menschen. Dieses Detail spielt eine große Rolle, so schön ein Lob auch klingen mag. Denn: Wir möchten nicht, dass über uns gerichtet wird.

Ein weiterer Aspekt des Lobs ist, dass es in der Regel nicht beschreibt, was genau die Person getan hat, das uns zu unserem Urteil („Du bist super!“) geführt hat. Ein Beispiel aus unserem Arbeitsleben:  In unseren Trainings und Workshops bekommen wir immer wieder das Feedback wie toll wir das machen würden. Daraus können wir leider keinen großen Nutzen ziehen, außer einer ungewissen Selbstbestätigung. Wir fragen uns dann: Was genau ist es, das wir der Person durch unsere Art zu coachen, geben? Die Wirkung und die Wachstumsgelegenheit bleiben im Lob verborgen.

Weiterhin besteht bei einem Lob die Gefahr, dass eine Manipulation vermutet wird. Ist dies der Fall, ist das Lob so sinnvoll wie ein Aschenbecher auf dem Motorrad: Es bewirkt dann sogar das Gegenteil von Wertschätzung, nämlich Geringschätzung.

Wie zeige ich wirkliche Wertschätzung und Dankbarkeit?

Als Alternative zum wenig aussagenden Lob empfehlen wir Dir wirkliche Wertschätzung oder auch Dankbarkeit zu schenken. Wahre Wertschätzung drückt mehr aus als eine Beschreibung  oder Beurteilung. Du kannst Dir hierfür vorbereitend 3 Fragen stellen:

Was genau hat die Person gesagt oder getan, für das Du dankbar bist, bzw. Wertschätzung zeigen möchtest? (Beobachtung) 
Welche Gefühle hat dies in Dir ausgelöst? (Befinden)
Welche Anliegen haben sich durch dieses Verhalten in Dir erfüllt? (Bedürfnis)

Mit diesen 3 Komponenten bleibst Du auf Augenhöhe, da Du nicht beschreibst wie Dein Gegenüber ist (Du richtest nicht), sondern Du beschreibst lediglich, welches Verhalten bei Dir ausgelöst wurde und was die Ursache dahinter war, Deine Anliegen.

Dein Gegenüber kann dadurch nachvollziehen, was passiert ist und kann dieses Verhalten in Zukunft wiederholen. Weiterhin gibst Du ihm die Gelegenheit durch das Ausdrücken Deiner Gefühle mit Dir mitzufühlen und die Dankbarkeit und Wertschätzung zu spüren (Stichwort Spiegelneurone).

Beispiel: „Frau Müller, Sie waren im letzten Jahr zu jedem Termin mit mir pünktlich und haben Ihre Ergebnisse in schriftlicher Form präsentiert, sodass ich die notwendige Klarheit hatte, die ich in meiner Position benötige. Dafür bin ich sehr dankbar, weil mir viel an Verlässlichkeit und Vertrauen liegt. Auch geben Sie mir damit die Sicherheit, dass auch im nächsten Jahr unsere Prozesse zur Zufriedenheit aller durchgeführt werden können.“

Wie sieht es bei Dir aus? Hast Du Deinen Mitarbeitenden, Deinen Kolleg:innen und auch Deinen Freund:innen und Deiner Familie schon gesagt, was sie in letzter Zeit getan haben, das Dein Leben bereichert hat? Bedenke dabei, dass die Wirkung nur dann nachhaltig und wertschätzend ist, wenn die Dankbarkeit echt ist.

Wir sind sehr dankbar für das Abonnieren und das Lesen unserer Kooperationstipps. Wir lieben es, Beiträge für ein wertschätzendes und konstruktives Miteinander zu leisten und Du gibst uns eine Gelegenheit dafür. Dankbar sind wir ebenfalls für jedes Feedback, denn es spornt uns noch mehr an, Tipps und Tricks zu kreieren, mit denen wir die Kooperation in unserer Gesellschaft steigern können.

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Cornelius "Conny" Scheier

Cornelius "Conny" Scheier

Conny ist seit 25 Jahren in der Förderung von Führungs- & Kooperationskompetenzen auf Bildungswegen tätig. Aus purem Eigeninteresse suchte er nach den Geheimnissen des Lenkens, Lehrens und Lebens auf Basis von Autonomie und Würde ohne „Muss & Soll“. Er liebt es, andere und sich selbst in der Entfaltung zu begleiten und tut dies mit einer ordentlichen Packung Humor. Seine Schwerpunkte liegen in der „Sprache der Kooperation" und „Führen mit Sinn". Er baut die Brücke von den aktuellen Erkenntnissen aus Neurowissenschaften, positiver Psychologie, Glücksforschung und kraftvollen Methoden der Personalentwicklung direkt in die Praxis für ein wertschätzendes und konstruktives Miteinander.

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